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Von der Kondition eines Machtstreckenlńufers

Rebell ├╝berquerte den Flu├č bei Vollmond. Tags├╝ber hatte er sich versteckt und ausgeruht, w├Ąhrend die Vasallen des Herrn ├╝ber's Land geritten waren - auf der Suche nach ihm. Niemand hatte ihn bis dahin entdeckt, jetzt aber galt es die Grenze zu erreichen - erst dann w├╝rde er sicher sein.
Ein Gespr├Ąch mit Oswald Henke.


Berlin wurde als Austragungsort der neuen GOETHES ERBEN Auff├╝hrung "Kondition: Macht!" auserkoren. Welche Idee, welches Konzept, welche Geschichte verbirgt sich hinter "Kondition: Macht!", betrachtet man das Musiktheater-St├╝ck im Rahmen seiner inhaltlichen Seite?

"Kondition: Macht!" wird dem Zuschauer als Zeitreise verkauft. Der Besucher wird zum reisenden Beobachter irgendwo, irgendwann in der Zukunft. Er wird zum Zeugen einer Handlungsebene, in der die Geschichte des Rebellen weitererz├Ąhlt wird. In einer zuk├╝nftigen Welt hat die Maschine die Menschen entm├╝ndigt und entmachtet. Menschen d├╝rfen in dieser Welt nur noch paarweise auftreten, es herrscht ein absolutes Versammlungsverbot, welches von der Kontrollinstanz der Maschine, dem wei├čen Licht, ├╝berwacht wird. Unter der F├╝hrung des Rebellen versucht eine kleine Gruppe von Abtr├╝nnigen sich der ├ťberwachung durch die Maschine zu entziehen. In diesem Machtvakuum baut der Rebell die Keimzelle eines neuen Staates im Staat auf, eine neue Machtordnung. Das Spiel um Macht erm├Âglicht es, die unterschiedlichsten Facetten darstellender Kunst miteinander zu verbinden, denn letztendlich ist alles Macht. Macht kann manipulieren und beeinflussen, aber auch ordnen und f├╝hren. Die Macht als Instrument ist wertfrei, sie ist weder gut noch b├Âse. Ausschlaggebend ist nur, wie sie eingesetzt wird. Durch die Zusammenarbeit mit OMBRA BALLARE und die M├Âglichkeiten, die eine weitere Sprachrolle in sich birgt, ist "Kondition: Macht!" eine sehr komplexe Geschichte geworden. Musik, Tanz und Schauspiel gelingt es erst gemeinsam, die Handlungsebenen miteinander zu verbinden. Menschliche Phantasie triumphiert anfangs ├╝ber die Logik der Maschine, doch letztendlich scheitert der Mensch an seinem Egoismus.

Lange vorbereitet und angek├╝ndigt wird es "Kondition: Macht!" meines Wissens nach nicht auf CD geben. Kein Wunder, da es f├╝r ein Musiktheater nicht unbedingt typisch ist, seine Vorstellungen auf Tontr├Ąger zu pressen. Dennoch eine Frage, die auch die Fans besch├Ąftigen wird: Mu├č das sein? Wird es ein Video geben etc.? Oder bleibt das Paperback zu "Kondition: Macht!" das einzige Zeichen seiner Zeit?

Das Publikum in Berlin wird mitentscheiden, wann und ob "Kondition: Macht!" ver├Âffentlicht wird. Wir werden keine CD ver├Âffentlichen, die niemanden interessiert, auch wenn unser Label dieses Album noch im Herbst '98 ver├Âffentlichen m├Âchte. Wir werden alle vier Auff├╝hrungen digital mitschneiden, doch keine Ver├Âffentlichung ├╝berst├╝rzen. Wenn "Kondition: Macht!" ver├Âffentlicht werden sollte, dann in jedem Fall in zwei Versionen. Zum einen als limitiertes Doppelalbum mit allen Musikst├╝cken und auch den nicht mit Musik unterlegten, reinen Sprechpassagen, zum anderen als CD, auf der eine Auswahl der Musikst├╝cke enthalten sein wird. Die Inszenierung von "Kondition: Macht!" ist extrem auf Optik ausgelegt. Es gibt z.B. drei reine Tanzszenen ohne Worte und reine Schauspielszenen mit Aktionen ohne viel Worte. Beides l├Ą├čt sich nur sehr schwer auf einem eindimensionalen Tontr├Ąger dokumentieren. "Kondition: Macht!" ist mit Sicherheit nicht leicht zu konsumieren, und seit dem blauen Album habe ich meine Erwartungshaltung zur├╝ckgeschraubt. Wir gehen mit GOETHES ERBEN seit vielen Jahren einen sehr kompromi├člosen Weg, wenn es um unsere Liveinszenierungen geht. Bei CD-Ver├Âffentlichungen orientieren wir uns daran, ob Interesse an einer Ver├Âffentlichung besteht. Die Liveinszenierung steht f├╝r GOETHES ERBEN allerdings im Vordergrund, nicht die Zweitvermarktung auf Tontr├Ąger, obwohl diese f├╝r uns existentiell wichtig sind. Sicherlich w├Ąre ein Video eine m├Âgliche Alternative, doch die Kosten sind ungleich h├Âher, will man eine gewisse Qualtit├Ąt erreichen.

Bezugnehmend auf Frage 1: Wie sieht das Konzept etc. zu "Kondition: Macht!" aus, betrachtet man die organisatorische Arbeit. Wieviel Arbeit und Zeit steckt dahinter, falls man dies in den genannten Faktoren ├╝berhaupt zum Ausdruck bringen kann? Ist die Darbietung nach vier Auff├╝hrungen tats├Ąchlich beendet?

Das Hauptproblem bei den Vorbereitungen zu "Kondition: Macht!" waren die Proben und deren Koordination. Mindy und Markus K├Âstner (Schlagzeug) leben in Berlin, Troy und ein Tontechniker kommen aus Saarbr├╝cken, Susanne Reinhardt (Geige) aus Darmstadt, der Bassist Christoph Ziegler aus Gie├čen, Susi und Kathi Maeder sowie Ramona Patzak von OMBRA BALLARE sind aus Chemnitz... Einzig die Schauspielerin Siegrid Beierkuhnlein und ich stammen aus dem Raum Bayreuth. Ich glaube, keiner kann sich vorstellen wie kompliziert es ist, all diese Menschen unter einen Hut zu bekommen, schlie├člich sind die wenigsten Profis und stecken entweder in der Ausbildung, im Berufsleben oder im Studium. Aus diesem Grund haben wir gr├Â├čtenteils getrennt geprobt - die Abteilung Musik, die Abteilung Tanz und die Abteilung Schauspiel, und uns nur einmal im Monat an einem Wochenende zum gemeinsamen Proben getroffen. Ein gro├čes Problem war es auch, geeignete Prober├Ąume zu finden, die technischen Schwierigkeiten zu l├Âsen, das B├╝hnenbild zu bauen... und zu guter letzt mu├čte dies alles auch noch finanziert werden. Die Vorproduktion von "Kondition: Macht!" hat bislang DM 25.000 gekostet. - und das sind nur Fahrt-, Materialkosten und Mieten. Alle beteiligten Akteure erhalten pro Auff├╝hrung mehr oder weniger eine Abfindung als Gage, die Probezeiten werden nicht verg├╝tet. Wenn ich es genau betrachte, dann m├╝ssen wir total verr├╝ckt sein. Aber es macht ungemein Spa├č aus einer Idee heraus ein komplexes Musiktheaterst├╝ck entstehen zu lassen. Ich hoffe, da├č wir 1999 noch einmal die M├Âglichkeit erhalten, in einem Theater "Kondition: Macht!" aufzuf├╝hren.

Wovon tr├Ąumt Oswald Henke, wenn er an die Zukunft des Musiktheaters "Goethes Erben" denkt?

Mein Traum ist es, nicht mehr ├╝ber die Finanzierbarkeit von Ideen nachdenken zu m├╝ssen und sich kreativ austoben zu k├Ânnen wie man m├Âchte, ohne auf finanzielle Schranken zu treffen. Liebend gerne w├╝rde ich in Zukunft mit einem festen Ensemble arbeiten, dessen Mitglieder von den Fr├╝chten ihrer T├Ątigkeit leben k├Ânnen. Allerdings mache ich mir diesbe- z├╝glich keine Illusionen.

Zwei Tage sp├Ąter erreichte Rebell die Grenze. Die aufgehende Sonne begr├╝├čte das weite Land, die letzten Tage der Knechtschaft schienen gez├Ąhlt. Noch ahnte er nicht, da├č im Visier eines Heckensch├╝tzen er sich l├Ąngst befand...

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